Am 22.Februar 2007 fand die fünfte Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung von Lichtenberg statt. An diesem Termin nahmen alle Mitglieder der NPD-Fraktion teil, welche
durch eine kleinere Gruppe von Rechtsextremen begleitet worden ist.
Als mündliche Anfrage stellte Meyer die Frage, ob die Autos des
Fuhrparks des Bezirksamtes bereits umwelttechnisch auf die geplante
Umweltzone vorbereitet sind. Meyer setzt damit seinen scheinbar
bürgernahen Kurs fort.
Die CDU-Fraktion reicht eine Drucksache unter dem Namen
„Verbraucherschutz geht vor – Ordnungsrechtliche Prüfung des
Asia-Marktes Herzbergstraße“ ein. Darin fordert die CDU eine
Sonderbehandlung für diesen Asia-Markt durch das Gesundheitsamt, dem
Verstöße gegen den Verbraucherschutz vorgeworfen werden.
Als erste Fürsprecherin des Antrages meldet sich Tönhardt, die
zusätzlich einen Änderungsantrag einreicht. Dieser soll den Antrag um
die Tierschutzdimension erweitern. Begründet wird dies damit, dass
Verkäufe von lebenden Karpfen beobachtet worden sind. Damit müssten
diese noch getötet werden, wohlmöglich nicht nach Tierschutznorm. Da
auch „Fische Geschöpfe Gottes“ (Zitat Tönhardt) seien, lehnt die NPD
dies ab. „Nicht jede Minderheit darf hier ihre Bräuche durchsetzen.“
(Zitat Tönhardt) Nach Tönhardt stört die NPD bereits das grausame
Schächten.
Durch den Antrag der NPD und die Rede Tönhardts werden
fremdenfeindliche Vorurteile transportiert. Immigrantinnen und
Immigranten müssten sich „deutschen Tugenden“ unterwerfen und sollten
einer rassistischen Sonderbehandlung und Beobachtung ausgesetzt werden.
Michael Grunst, Mitglied der Linkspartei-Fraktion kritisiert den Antrag
der CDU aufgrund seiner fremdenfeindlichen Grundstimmung.
Lebensmittelkontrollen seien jenseits von Ethnien und Nationalismen
durchzuführen.
Der Antrag und der Änderungsantrag wurden abgelehnt.
Die CDU-Fraktion reicht eine Drucksache unter dem Namen „ Lichtenberg –
Kein Platz für Drogen und Drogenkriminalität!“ ein. Erneut reicht die
NPD-Fraktion einen Änderungsantrag ein, der das „Engagement des
Bezirksamtes zur unverzüglichen Abschiebung überführter ausländischer
Drogenhändler“ (Antrag NPD) fordert. Hähnel stellt den Antrag vor und
erklärt, dass es „kein Geheimnis wäre, dass viele Drogenhändler
nichtdeutsch sind“ (Zitat Hähnel). Dies wäre ein „Verstoß gegen das
Gastrecht“ (Zitat Hähnel). Für Immigrantinnen und Immigranten, die die
deutsche Staatsbürgerschaft erworben haben, fordert er den Entzug
dieser. Für diese Drogenhändler gilt nach Hähnel nur eins: „Raus, raus,
raus!“ Die rechtsextremen Zuschauer klatschen.
Mit dem Antrag transportiert die NPD erneut fremdenfeindliche
Stereotype. Besonders stark wird die Vorstellung der NPD zum Modell der
Staatsbürgerschaft sichtbar. Deutsche sind demnach nur Menschen, die
„deutsches Blut in ihren Adern“ haben. Hier wird klar ein rassistisches
Staatsbürgerschaftsmodell konstruiert. Menschen, die die deutsche
Staatsbürgerschaft haben, sind nach der NPD nicht per se Deutsche.
Der Antrag und der Änderungsantrag wurden abgelehnt.
Die NPD reicht einen Antrag zu Maßnahmen im Landschaftsrahmenplan ein.
In ihm fordert die NPD, dass Mieterverbände die Möglichkeit erhalten,
für die Grünflächen ihrer Wohnhäuser Pflegeverträge zu erhalten und
diese in Eigeninitiative zu pflegen. Tönhardt stellt den Antrag vor.
Sie will durch den Antrag den Gemeinschaft stärken. Zudem sollen die
Bürger und Bürgerinnen aktiv ihre Umgebung gestalten.
Innerhalb der Diskussion, in denen die anderen Fraktionen den Antrag
ablehnen, meldet sich erneut Tönhardt zu Wort. Sie konstatiert, dass
sie die Ablehnung erwartet hat, obwohl der Antrag ihrer Meinung nach
nichts Nationales enthalten würde. Die NPD würde demnach „Politik für
Lichtenberger“ (Zitat Tönhardt) machen. Die anderen Parteien würden
sich in einem „Korsett des Konsens“ (Zitat Tönhardt) befinden. Sie
beendete mit der Frage: „Was wohl die Wähler sagen werden?“
Der Antrag der NPD soll die anderen Parteien als „Einheitsfront“
diskreditieren, damit sich die Rechtsextremen als Opfer profilieren
können. Zudem ist sehr fraglich, ob in der geforderten Gemeinschaft
Immigrantinnen und Immigranten impliziert sind oder sich diese aus
„Blutsdeutschen“ zusammensetzen soll.
Der Antrag wurde abgelehnt.
Die NPD-Fraktion bringt einen Antrag unter dem Namen „Schutz der
deutschen Sprache“ ein. In ihm wird „das Bezirksamt [...] ersucht, in
Schriften und Verlautbarungen intern und nach außen auf eine saubere
Verwendung der deutschen Sprache zu achten und im öffentlichen Raum
dahingehend zu wirken, dass Anglizismen zurückgedrängt werden.“ (Zitat
Antrag)
Hähnel stellt den Antrag vor. Er beginnt mit einem Gedicht von Max von
Schenkendorf über Muttersprache. Anschließend beschreibt er Sprache als
etwas Erbliches, wofür die Deutschen Verantwortung tragen müssten.
Sprache wird als Teil der Identität dargestellt. Hähnel folgend mussten
sich „die Deutschen oft einer Mode unterwerfen“ (Zitat Hähnel). Er
untermauert dies mit einem Zitat von Bismarck, der die „schädlichen
Einflüsse“ auf die deutsche Sprache beschreibt. Am Ende seiner Rede
gesteht er der deutschen Sprache Offenheit und eine gewisse
Durchlässigkeit zu.
Mit dem Antrag bringt die NPD eine kulturelle Dimension ein. Die
deutsche Sprache wird als etwas Statisches gesehen, das als Teil der
kulturellen Identität der Deutschen unveränderbar ist. Die Sprache wird
maximal in wissenschaftlichen Diskursen um englische Begriffe
erweitert. Jede andere Veränderung wird als Zerstörung der „deutschen
Identität“ gesehen. Dass Sprache sich permanent verändert und in
Wechselwirkung mit der Gesellschaft steht, wird dabei negiert.
Der Antrag wurde abgelehnt.
Die NPD-Fraktion reicht einen Antrag zur Erfassung linksextremer Vorkommnisse im Bezirk Lichtenberg.
Meyer stellt den kurz Antrag vor. Er argumentiert über den
Gleichheitsgrundsatz und kritisiert die einseitige Erfassung.
Infolgedessen fordert er, dass „linke und rechte Vorfälle erfasst
werden sollen“ (Zitat Meyer)
Mit dem Antrag versucht die NPD, das zu verwischen, was in Lichtenberg
leider der Fall ist, nämlich dass es eine Vielzahl von rechtsextremen
Aktivitäten gibt, die für Immigrantinnen, Immigrantinnen, linke und
alternative Jugendliche oder andere Risikogruppen zur Gefahr werden.
Interessant ist auch, dass Meyer für die Erfassung rechtsextremer
Vorkommnisse eingetreten ist.
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