 Trotzdem sich außer Matthias Wichmann und Karl-Heinz Burkhardt keine Neonazis beim BVV-Plenum am 26. Februar 2009 im Marzahner Freizeitforum befanden, ließ es sich Ersterer nicht nehmen seine beiden Anträge zu begründen. Die anderen Fraktionen sahen sich also genötigt den NPDlern zu erklären warum sie nicht für deren Anträge stimmten. Die NPD inszenierte sich wie gewohnt, wenn auch ohne ansprechbares Publikum. Die Demokraten reagierten nach Protokoll, fast. Man konnte sich des Eindrucks nicht erwehren hier handelte es sich um eine neue Folge aus "Und täglich grüßt..." mit einem Vorgeschmack auf den Wahlkampf.
Da es bei seinem ersten Antrag um familienfreundliche Politik gehe, forderte Wichmann alle Verordneten auf für ein kostenloses Schulessen oder zumindest für eine "rechtlich leichter(e) und auf jeden Fall steuerfrei(e)" Essensausgabe an Schulen zu stimmen. Damit griff Wichmann wieder einmal eine Diskussion vom vorigen Plenum auf, zeigt dabei, dass er dieser nicht ganz folgen konnte, und ein paar Wochen braucht seine Gedankenlosigkeit in einem Antrag zu formulieren, der selbst beschlossen ohne politische Wirkung bliebe. André Gaedeke (SPD) verwies in seiner Reaktion auf die Priorität, die das Bezirksamt der Familienförderung einräume und erklärte, dass Hartz IV-Leistungen zur Verköstigung von Kindern reichten. Der Sozialdemokrat hätte so ehrlich sein sollen dem ein "wenn auch nicht zu viel mehr" anzuhängen. Im beginnenden Wahlkampf referierte er arbeitsmarktpolitische Standpunkte und berichtete ferner von Gesprächen mit "Betroffenen", die den Antragsteller für ungeeignet hielten "sozial Schwache" zu vertreten. Er erinnerte an die Änderungsanträge der NPD zum Haushalt, die verschiedene Kürzungen kommunaler Unterstützung beabsichtigten. Wichmann leugnete diese Anträge und bezichtigte die Anderen zu hetzen und zu lügen.
Das Arbeitslosengeld II um 15 bis 30 Euro "deutlich zu erhöhen" war die Forderung des zweiten Antrags. Da es seit dessen Einführung keine Erhöhung gegeben hätte, sei es durch Teuerungen zu Armut gekommen. Die 30 Euro wären während der "Bedrohung durch Arbeitslosigkeit" eine "Bekämpfung der Armut" wusste Wichmann mitzuteilen. Klaus-Jürgen Dahler (Die Linke) unterstellte, die Begründung stamme aus der Feder eines Anderen und fragte wie ernst der Antrag gemeint sei. Wie schon zu anderen sozialpolitischen Anträgen der NPD zitierte er rassistische Passagen aus dem NPD-Programm, die Wichmann zum Applaus anregten, und betonte die Unvereinbarkeit dieser mit den Grundsätzen der BVV. Dahler erläuterte noch einmal die in der Diskussion zum vorigen Antrag angesprochenen Kürzungsanträge zum Bezirkshaushalt und sprach der NPD das Recht auf Sozialdemagogie (sic!) ab. Auch Marlitt Köhncke (SPD) schlug noch einmal in dieselbe Kerbe wie ihr Parteigenosse Gaedeke, Mindestlöhne seien die Lösung. Deshalb sei der Antrag abzulehnen. Kein Wort zur Ideologie der Antragsteller, was man von jemandem, der an anderer Stelle öffentlich den Mob von Rostock-Lichtenhagen als "überfordert" entschuldigt, auch nicht erwarten möchte. In einem weiteren Redebeitrag erinnerte Wichmann an seinen Antrag zu Mindestlöhnen vier Wochen zuvor und bezichtigte die Vorredner wieder der Lüge und Hetze. An Dahler richtete er die Frage was sein Antrag mit Rassismus zu tun habe und holte wieder die rhetorische Figur aus der Schublade, die versucht eine Analogie zwischen Rassisten und Rassismus auf der einen und Komponisten und was-auch-immer auf der anderen Seite aufzumachen, um auf banalst-semantische Weise den Rassismus zur Wissenschaft zu machen. Zum Abschluss der Runde wies Dahler die Bemerkungen Wichmanns zurück und erklärte, dass Rassismus zwischen 1933 und 1945 in Sachsenhausen und Auschwitz erlebbar gewesen war. Er erinnerte die demokratischen Fraktionen daran, sich an Vereinbarungen zu halten. Gemeint war die, dass nur eine dieser einen Redebeitrag zu Anträgen der NPD hält um Geschlossenheit zu zeigen. Bis auf die zwei Stimmen der NPD gab es für beide Anträge nur Ablehnung.
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